Utrecht, 28 September 2026 –

CancerWatch zieht nach einem Jahr Bilanz: Größte Erhebung unter europäischen Krebsregistern abgeschlossen

Ein Jahr nach dem Start der EU4Health Joint Action CancerWatch sind wichtige Grundlagen für eine bessere und aktuellere Krebsberichterstattung in Europa geschaffen. Das Projekt hat die bislang größte Erhebung unter europäischen Krebsregistern abgeschlossen, die europaweite Datenerhebung 2026 für die Aktualisierung des Europäischen Krebsinformationssystems (ECIS) unterstützt und Methoden sowie Software für vergleichbare europäische Krebsstatistiken entwickelt. Aktualisierte europäische Zahlen zu Krebsüberleben und Prävalenz werden noch vor Ende 2026 im ECIS erwartet.

Krebsregister als Grundlage verlässlicher Krebsdaten

Bevölkerungsbezogene Krebsregister bilden seit Jahrzehnten das Rückgrat der Krebsüberwachung in Europa. Sie erfassen unter anderem Neuerkrankungen, Sterblichkeit, Überleben und Prävalenz. Ihre Daten ermöglichen es, Entwicklungen zu verfolgen, Unterschiede zwischen Regionen und Ländern sichtbar zu machen und die Wirkung von Maßnahmen zur Krebsprävention und -versorgung zu beurteilen.

Die Erhebung und Standardisierung dieser Daten ist jedoch mit erheblichem Zeit- und Ressourcenaufwand verbunden. Unterschiede bei rechtlichen Rahmenbedingungen, Ressourcen und Verfahren der Datenerhebung führen dazu, dass die Vollständigkeit und Aktualität der Krebsdaten in Europa variieren.

CancerWatch setzt hier an: Das Projekt soll die Qualität und Aktualität europäischer Krebsdaten verbessern und zugleich den Aufwand für die Datenerhebung und -auswertung vertretbar halten. Ein wichtiger Baustein ist das Europäische Krebsinformationssystem (ECIS), das vergleichbare Krebsstatistiken für Europa bereitstellt.

Was CancerWatch im ersten Jahr erreicht hat

Ein zentrales Ergebnis des ersten Projektjahres ist die Erhebung unter 192 Krebsregistern – die bislang größte ihrer Art. Sie liefert eine umfassende Grundlage, um die Organisation der Krebsregistrierung in Europa, die Geschwindigkeit der Datenbereitstellung, die Finanzierung und die Möglichkeiten für Innovationen besser zu verstehen.

Darüber hinaus wurden:

  • Aktualisierung des ECIS: Die Beteiligung an der europaweiten Datenerhebung 2026 wurde gestärkt. Aktualisierte europäische Zahlen zu Krebsüberleben und Prävalenz werden noch vor Ende 2026 im ECIS erwartet.
  • Harmonisierung der Datenqualität: Ein gemeinsamer Rahmen für Qualitätsindikatoren wurde entwickelt, der an die Anforderungen des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS) angelehnt ist. Er unterstützt eine einheitlichere Messung und den Vergleich der Datenqualität in verschiedenen Ländern.
  • Methoden und Software: Protokolle zur Schätzung von Krebsüberleben und Prävalenz wurden erarbeitet. Eine erste Version eines speziellen Softwaretools zur Berechnung dieser epidemiologischen Kennzahlen wird derzeit gemeinsam mit Krebsregistern pilotiert.
  • Vorbereitung auf den EHDS: Die Register werden dabei unterstützt, ihre Daten in nationale und europäische Daten- und Metadatenkataloge einzuordnen. Auch Metadatenstandards und die Interoperabilität mit dem Horizon-Europe-Projekt QUANTUM zur Kennzeichnung der Datenqualität stehen im Fokus.

Bedeutung für den Europäischen Krebsplan

Die Erhebung unter den Krebsregistern schafft eine wichtige Grundlage, um Unterschiede zwischen den Ländern zu erkennen und gezielt Verbesserungen anzustoßen. Mehr als 90 Prozent der angesprochenen Register haben an der Erhebung teilgenommen. Damit liegt erstmals in diesem Umfang ein umfassendes Bild darüber vor, wie bevölkerungsbezogene Krebsregister in Europa arbeiten, welche Herausforderungen bestehen und wo weitere Unterstützung erforderlich ist.

Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Qualität und Vergleichbarkeit der Krebsdaten zu erhalten und zugleich die Aktualität der europäischen Krebsindikatoren zu verbessern. Verlässliche Daten sind auch erforderlich, um die Ziele des Europäischen Plans zur Krebsbekämpfung (Europe’s Beating Cancer Plan) zu verfolgen und Fortschritte bei Prävention, Früherkennung und Behandlung zu bewerten.

Warum CancerWatch auch für das KKN wichtig ist

Als eines der deutschen Landeskrebsregister ist das KKN ein wichtiger Datenlieferant für die europäische Krebsregistrierung und profitiert von den im Projekt entwickelten Standards, Werkzeugen und technischen Lösungen. Gleichzeitig trägt das KKN gemeinsam mit den anderen Landeskrebsregistern dazu bei, die europäische Datenbasis zu stärken.

Von einer verbesserten Qualität, Vergleichbarkeit und Aktualität der Krebsdaten profitieren damit auch die Krebsberichterstattung und die Forschung in Niedersachsen. Die im europäischen Rahmen entwickelten Ansätze schaffen eine wichtige Grundlage für fundiertere Analysen und eine bessere Bewertung von Entwicklungen in Prävention, Diagnostik und Versorgung.

Englischsprachige Abbildung der Projektübersicht CancerWatch
Englischsprachige Abbildung der Projektübersicht CancerWatch – Quelle: ENCR

Ausblick: Krebsregistrierung weiterentwickeln

In den kommenden zwei Jahren wird CancerWatch auf den bisher geschaffenen Grundlagen aufbauen. Die Arbeiten an einer KI-gestützten Krebsregistrierung, gemeinsamen Standards und digitalen Instrumenten für eine vollständigere, konsistentere und effizientere Datenerfassung werden fortgesetzt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vorbereitung der Krebsregister auf den Europäischen Gesundheitsdatenraum.

Ziel ist es, Krebsdaten in Europa zeitnaher verfügbar zu machen und damit eine bessere Grundlage für die Krebsbekämpfung zu schaffen.

Englischsprachige Abbildubng der Hauptpunkte im europaweiten Projekt CancerWatch
Englischsprachige Abbildubng der Hauptpunkte im europaweiten Projekt CancerWatch – Quelle: ENCR
Logo des europaweiten Projektes CancerWatch

Hintergrund
CancerWatch ist eine von der Europäischen Union im Rahmen des EU4Health-Programms kofinanzierte Joint Action. Das Projekt läuft von September 2025 bis August 2028 und wird vom Norwegian Institute of Public Health (NIPH) koordiniert. Beteiligt sind 92 Organisationen aus 29 Ländern, darunter 58 Krebsregister. Der EU-Beitrag beträgt 13 Millionen Euro.
CancerWatch schafft erstmals eine europaweit koordinierte Grundlage für hochwertige Krebsdaten. Durch harmonisierte Standards, digitale Innovationen und den Abbau rechtlicher Hürden können bevölkerungsbezogene Krebsregister künftig vollständigere und aktuellere Daten liefern. Diese fließen direkt in zentrale EU-Instrumente wie das Europäische Krebsinformationssystem (ECIS) und den Europäischen Gesundheitsdatenraum ein. Für Politik, Forschung und Versorgung bedeutet das: fundiertere Analysen, schnellere Trendbeobachtungen, gezieltere Maßnahmen und letztlich mehr Chancengleichheit bei Prävention, Diagnostik und Therapie.

CancerWatch – die Fakten
– Laufzeit: 36 Monate – von September 2025 bis August 2028
– Koordination: Norwegian Institute of Public Health (NIPH) / Norwegisches Institut für Öffentliche Gesundheit
– Kooperationspartner: 92 Organisationen aus 29 Ländern, darunter 58 Krebsregister
– Finanzierung: EU4Health-Programm (Fördervereinbarung CR-g-24-40)
– Website: www.cancerwatch.eu